Was ist biblische Seelsorge?
PSALM 1,1-2
Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
- Seelsorge bedeutet, jemandem Hilfe und Hoffnung zu vermitteln, und zwar in allgemeinen Fragen oder bis hin zu persönlichem Zuspruch und Trost.
- Das hebräische Wort ya’ats („Rat”) im Alten Testament hat die Bedeutung „beraten, beratschlagen, einen Entschluss fassen.”
- Das griechische Wort paraklesis im Neuen Testament bedeutet „das Herbeirufen eines Helfers, der uns zur Seite steht” (para – neben; kaleo – rufen) und wird mit „beraten, ermutigen oder trösten” übersetzt.
Anforderungen für biblische Seelsorger
Eine häufig gestellte Frage lautet: „Welche Qualifikationen benötigt jemand, der biblische Seelsorge ausüben will?”
Antwort: Jeder Christ, der eine lebendige Beziehung zu Gott hat, dem Herrn Jesus Christus nachfolgt und vom Heiligen Geist geleitet wird, hat die notwendigen Qualifikationen, um anderen Trost und Hilfe zu spenden. Seelsorge kann jeder ausüben, der -
- selber den Trost Gottes in Anspruch genommen und empfangen hat;
- Jesus Christus liebt und ein Herz für die geistlichen Nöte anderer hat;
- aufgrund seines regelmäßigen Studiums des Wortes Gottes in der Lage ist, mit der Bibel richtig umzugehen;
- von Gott berufen ist, Seelsorge an anderen auszuüben.
Ziele des biblischen Seelsorgers
Ein Seelsorger, der Christus aus ganzem Herzen dient, wird danach trachten, -
- Ungläubige mit der rettenden Botschaft Christi vertraut zu machen;
- Menschen, die vom richtigen Weg abgekommen sind, zum richtigen Weg zurückzubringen, damit sie geistlich wachsen und reifen können;
- die Wahrheit des Wortes Gottes zu verkündigen, damit Menschen überführt werden, ihre Irrtümer erkennen und befreit werden können;
- die Weisheit des Wortes Gottes zu verkündigen, damit die Gläubigen ein siegreiches Christenleben führen können.
Eigenschaften des biblischen Seelsorgers
Die richtige Einstellung
Es gilt das bekannte Sprichwort: „Den Leuten ist es egal, wie viel du weißt, außer sie wissen, dass sie dir nicht egal sind.” Aufrichtige Liebe und Fürsorge ist viel wirksamer als alle Ratschläge oder umfassendes Wissen. Eine liebevolle Einstellung und ein verständnisvolles Herz wird der Wahrheit, die du verkündest, Kraft verleihen.
- Respekt: du bist davon überzeugt, dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen wurde.
- Aufmerksamkeit: du legst die eigenen Gedanken zur Seite und konzentrierst dich darauf, dem anderen zuzuhören.
- Verfügbarkeit: du hast die Bereitschaft, dem anderen die notwendige Zeit und deine volle Aufmerksamkeit zu schenken.
- Mitgefühl: du versuchst, dich in die Lage des anderen zu versetzen und seine Gedanken und Gefühle zu verstehen.
- Ermutigung: du strahlst Hoffnung und Optimismus aus.
- Aufrichtigkeit: du bist offen und transparent und gibst
dich so, wie du bist.
Der Weg zur Weisheit
SPRÜCHE 2,1-11
Mein Sohn, wenn du meine Reden annimmst und meine Gebote bei dir verwahrst, indem du der Weisheit dein Ohr leihst, dein Herz dem Verständnis zuwendest, ja, wenn du den Verstand anrufst, zum Verständnis erhebst deine Stimme, wenn du es suchst wie Silber und wie Schätzen ihm nachspürst, dann wirst du verstehen die Furcht des HERRN und die Erkenntnis Gottes gewinnen. Denn der HERR gibt Weisheit. Aus seinem Mund ‹kommen› Erkenntnis und Verständnis. Er hält für die Aufrichtigen Hilfe bereit, ist denen ein Schild, die in Lauterkeit wandeln, indem er behütet die Pfade des Rechts und den Weg seiner Frommen bewahrt. Dann verstehst du Gerechtigkeit, Recht und Geradheit und jede gute Bahn. Denn Weisheit zieht ein in dein Herz, und Erkenntnis wird einer Seele lieb. Besonnenheit wacht über dir, Verständnis wird dich behüten:
- Schreibe Gottes Wort in dein Herz (Vers 1). Lerne Bibelstellen auswendig und sinne über sie nach. Mache das Wort Gottes zum Fundament deines Lebens. Verlasse dich darauf, sowohl bei deinen persönlichen Entscheidungen, als auch in der Seelsorge. Fülle dein Denken mit Gottes Gedanken und Einstellungen, sodass dein Leben davon bestimmt wird.
- Lerne Gottes Wege immer besser kennen (Vers 2). Höre auf geistlichen Rat. Suche Gottes Weisheit bei Menschen, die eine intensive Beziehung zu Gott haben. Trachte danach, Gottes Prioritäten und seine Ansichten zu den verschiedenen Fragen des Lebens zu verstehen.
- Trachte nach göttlicher Weisheit (Vers 3). Bete um Einsicht. Bitte Gott ohne Unterlass um seine Weisheit und Einsicht, sowohl für dein eigenes Leben als auch für das Leben der Menschen, die du seelsorgerlich betreust.
- Grabe nach den Schätzen der Wahrheit (Vers 4). Studiere die Bibel. Widme dich einem intensiven induktiven Bibelstudium, um die tiefen Wahrheiten des Wortes Gottes zu entdecken. Trachte danach, die Relevanz dieser Wahrheiten für dein Leben herauszufinden.
- Öffne dein Herz für die Weisheit (Vers 5). Bete um Weisheit und Erkenntnis. Erwarte, dass der Herr deine Suche belohnen wird, indem er die Augen deines Herzens öffnet, sodass du ihn klarer sehen und seine Nähe intensiver erfahren kannst.
- Freue dich über Gottes Fürsorge (Vers 6). Gib ihm die Ehre. Vergiss nicht, dass alle Weisheit letztlich von Gott kommt. Er ist der einzige, der dir Erkenntnis und Einsicht schenken kann, und du bist auf seine Gnade angewiesen.
- Freue dich über Gottes Sieg (Vers 7). Preise ihn für seine Macht. Preise Jesus für seinen vollständigen und ewigen Sieg, den er durch seinen Tod und seine Auferstehung für dich errungen hat. Danke Gott dafür, dass er dich stets von dem Bösen bewahrt.
- Konzentriere dich auf Gottes Treue (Vers 8). Ruhe in ihm. Nimm dir vor, unerschütterlich an deinem Glauben an Jesus Christus festzuhalten und alle Menschen richtig zu behandeln. Halte an der Gewissheit fest, dass er dich auf den richtigen Weg führen und beschützen wird.
- Denke an die Güte Gottes (Vers 9). Warte auf den Herrn. Wenn du Gott um Weisheit gebeten hast, dann warte geduldig auf ihn und rechne damit, dass er dir zeigen wird, was für dich und die Menschen, die du seelsorgerlich betreust, richtig, gerecht und fair ist.
- Lebe aus der Kraft Christi in dir (Vers 10). Verlasse dich auf den Herrn. Christus ist deine Weisheit. Wenn du eine tiefere Beziehung zu ihm anstrebst und ihn besser kennen lernen willst, dann werden seine Weisheit und Erkenntnis in dir und durch dich wirksam werden.
- Freue dich über Gottes Schutz (Vers 11). Vertraue auf den Herrn. „Versiegle” deinen Mund, verhalte dich stets diskret; dann wirst auch du beschützt werden. Wende das, was Gott dir zeigt, auf dein eigenes Leben an, und er wird dich bewahren.
Seelsorge aus praktischer Sicht
Achte darauf, das Beste aus den Gelegenheiten zu machen, die Gott dir gibt. Vielleicht verbringst du manchmal Stunden damit, einem Freund Seelsorge zu erteilen. In anderen Fällen streust du vielleicht nur ein paar Saatkörner der Wahrheit in das Herz von jemandem, dem du auf der Straße begegnest. Versuche nicht, zu schnell zu viel erreichen zu wollen, sondern bitte Gott, deine Schritte und deine Worte zu leiten.
Äußere Vorbereitung
- Wähle einen Gesprächsort mit einer ungestörten, entspannenden Atmosphäre, an dem sich alle Beteiligten geborgen fühlen können.
- Der Gesprächsort soll frei von Ablenkungen sein (Fernsehen, Musik, Lärm...).
- Sorge dafür, dass du nicht unterbrochen wirst (Telefonanrufbeantworter einschalten; Handy ausschalten; Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht stören!” sowie einen Notizblock für Mitteilungen an der Tür befestigen).
- Vermeide äußere Gesprächsbarrieren (nimm z. B. nicht hinter einem Schreibtisch Platz).
- Sorge für eine angenehme Beleuchtung (kein blendendes Licht, Vorhänge oder Jalousien zuziehen, wenn notwendig).
- Sorge dafür, dass eine Bibel, ein Notizblock, ein Schreibgerät und Telefonnummern zur Hand sind.
- Sorge vor Beginn es Treffens dafür, dass genügend Taschentücher und etwas zu trinken vorhanden ist.
Nonverbale Kommunikation (Körpersprache)
- Ein Lächeln bei der Begrüßung... Ein freundliches Gesicht kann unbegründete Befürchtungen vertreiben.
- Ein Händedruck oder eine freundliche Umarmung... Berührung vermittelt Wärme und Fürsorge.
- Dem anderen direkt gegenübersitzen... Wenn du in einem Winkel von 90° sitzt, wende deinem Gesprächspartner wenigstens dein Gesicht zu.
- Den Vorderkörper leicht nach vorne neigen... Dadurch drückst du aus: „Ich interessiere mich wirklich für das, was du mir mitteilen willst.“
- Blickkontakt halten... Vermeide es unbedingt, dich ablenken zu lassen. Wechsle wenn notwendig, den Ort des Gesprächs.
- Offen und zugänglich wirken... Vermeide verschränkte Arme oder geballte Fäuste. Verschränkte Arme drücken aus: „Ich bin nicht bereit, dir zu helfen.
- Gelegentlich mit dem Kopf nicken... Du drückst dadurch Akzeptanz im Gegensatz zu Ablehnung aus.
An das Problem herangehen
- Rede den Betroffenen namentlich an.
- Vermeide oberflächliches Geplauder.
- Stelle direkte Fragen. Beispiel: „Worüber möchtest du sprechen? Wie kann ich dir am besten helfen?”
- Frage nicht: „Was ist dein Problem?” Dieser negative Ansatz erweckt den Eindruck, dass mit dem Betroffenen etwas nicht stimmt. Ein Problem wird vorausgesetzt, obwohl vielleicht gar keines vorhanden ist.
- Halte dir vor Augen, dass das zur Sprache gebrachte Problem oft nicht das
wirkliche Problem ist.
Oft werden dadurch nur die Gefühle des Betroffenen ausgedrückt. Die Fragen des Seelsorgers, mit denen er versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen, helfen dem Betroffenen in den meisten Fällen, zu erkennen, dass das anfänglich zur Sprache gebrachte Problem allenfalls ein Symptom, nicht aber die eigentliche Ursache seines Zustandes ist. - Vergiss auf keinen Fall Hoffnung zu vermitteln. Beispiel: „Ist dir klar, dass Gott in deinem Leben wirkt und dass er einen besonderen Plan für dich hat?” Eine der wichtigsten Erkenntnisse für den Hilfesuchenden ist das Wissen, dass es einen Ausweg gibt. Es gibt eine Hoffnung! In der Bibel steht:
JEREMIA 29,11
Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.
- Stelle Fragen über den familiären und beruflichen Hintergrund
und über vergangene Beziehungen.
Beispiel: „Ich möchte dir einige Fragen zu deinem Hintergrund stellen, um dich besser kennen zu lernen.” - Stelle keine Fragen, die mit „ja” oder „nein” beantwortet werden können. Beispiel: „Wie drückst du deinen Zorn normalerweise aus?”
- Ermutige den Betroffenen, mitzuteilen, was ihm auf dem Herzen liegt. Beispiel: „Könntest du mir da noch mehr sagen?” „Sprich ruhig weiter.”
- Achte darauf, welche Gefühle der Gesprächspartner mitteilt. Stelle Fragen über seine Gefühle. Beispiel: „Bei welchen Gelegenheiten fühlst du dich einsam?” „Warum denkst du, dass du zornig geworden bist?”
- Versuche, „zwischen den Zeilen zu lesen.” Beachte zum Beispiel,
wenn der Gesprächspartner einen bestimmten Elternteil nie erwähnt.
Frage: „Welche Rolle hat eigentlich dein Vater in deinem Leben gespielt?” - Stelle keine Fragen, die gleichzeitig die Antwort enthalten. Negatives Beispiel: „Dein Problem ist Bitterkeit, nicht wahr?”
- Frage den Betroffenen, welche Rolle wichtige Personen in seiner Kindheit
und Jugend gespielt haben (Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde, usw.)
Beispiel: „Was für einen Eindruck haben die Worte und das Verhalten deiner Mutter bei dir erweckt?”
Fallen vermeiden
- Gib keine falschen Zusicherungen. Negatives Beispiel: „Es ist alles in Ordnung. Das wird schon wieder!”
- Vermeide es, negative Erfahrungen zu verharmlosen. Negatives Beispiel: „Das ist gar nicht so schlimm. In kurzer Zeit wirst du gar nicht mehr daran denken.”
- Unterlasse es nicht, dem Betroffenen gegebenenfalls professionelle Hilfe zu empfehlen. Ärzte, Lebens- oder Krisenberater sind manchmal wichtige Verbündete bei der Bemühung, dem Suchenden zu helfen. Beispiel: Fälle von Kindesmisshandlung müssen den Behörden gemeldet werden.
- Mache nicht den Fehler, Selbstmorddrohungen zu ignorieren. Solche Drohungen
können Selbstmitleid, aber auch die Absicht der Selbstzerstörung
ausdrücken. Versuche nicht, gleichzeitig die Stelle des Richters und
der Geschworenen einzunehmen.
- Mythos: selbstmordgefährdete Menschen sprechen nie davon, sich das Leben nehmen zu wollen.
- Tatsache: fast alle Selbstmordopfer kündigen ihre Tat vorher an. - Erteile nicht ungefragt Ratschläge. Negatives Beispiel: „Wenn du dein Problem lösen willst, solltest du...”
- Übernimm nicht die Rolle des Retters. Achte darauf, nicht dein eigenes Ego füttern zu wollen, indem du den „Ersatzerlöser” spielst.
Die Identität des Christen
Eine wesentliche Komponente der biblischen Seelsorge ist ein Verständnis der Identität des Christen und der Verheißungen, die jedem Gläubigen zur Verfügung stehen. Die folgenden Tatsachen sind für die Identität des Christen von fundamentaler Bedeutung:
- Gottes Gegenwart wohnt in dir.
KOLOSSER 1,27
Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
- Die Kraft Gottes ist in dir am Wirken.
2. PETRUS 1,3
Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch ‹seine› eigene Herrlichkeit und Tugend...
- Der Charakter Christi wird in dir geformt.
RÖMER 8,29
Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
- Das Leben Christi wird durch dich sichtbar.
2. KORINTHER 4,11
Denn ständig werden wir, die Lebenden, dem Tod überliefert um Jesu
willen, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde.

