Artikel aus "pro | Christliches Medienmagazin" Februar 2010
zum Thema "Bedrohte Glaubens-Freiheit" von Stefan Ernst

Bedrohte Glaubens-Freiheit

Die National Religious Broadcasters sind der Dachverband der christlichen Rundfunkveranstalter in den USA. Millionen Amerikaner können täglich aus Tausenden christlicher Sender wählen, viele sind landesweit zu empfangen. Doch die Radio- und Fernsehsender stehen unter Druck von Seiten der Regierung.

Nashville, Tennessee – Heimat der Country-Musik und Schnalle des Bibel-Gürtels der USA. Einmal im Jahr wird die Hinterland-Metropole mit ihren 620.000 Einwohnern zum kreativen Zentrum der christlichen Medien-Szene. Zum dritten Mal in Folge hat der Rundfunkveranstalter- Dachverband "National Religious Broadcasters" das imposante Groß-Hotel "Gaylord Opryland" für seinen Kongress gebucht. Vernetzen, fortbilden, diskutieren - das Programm ist randvoll mit Workshop-Themen, Preisverleihungen, Reden, Banketten und Künstler-Auftritten. Allein 250 Aussteller präsentieren von Antennen-Technik bis Vermarktungs-Optimierung alles, was Branchenvertreter interessieren könnte.

Der voll überdachte, perfekt klimatisierte, von hyper-gepflegtem, tropischem Park-Grün durchsetzte Komplex schirmt die rund 4.000 Teilnehmer für vier Tage Ende Februar von einer Außenwelt ab, die zunehmend rauer und unfreundlicher wird. Radio-Pastoren, TV-Sender-Chefs und andere Programm-Macher sehen sich in einem Zwei-Fronten-Krieg. Zum einen sorgt die Wirtschaftskrise für das zweite harte Jahr mit Spendenrückgängen, Entlassungen, Betriebsschließungen. Gefragt sind neue Ideen für neue Inhalte und neue digitale Vermittlungswege. Zum anderen wächst die Sorge, dass die Religions- und Rundfunkfreiheit immer weiter eingeengt wird. "Es liegt ein großer Schatten auf unserem Land", warnt Gastgeber und NRB-Präsident Dr. Frank Wright: "Wir erleben einen Zusammenprall der Weltanschauungen und mediale Verwerfungen von titanischen Ausmaßen. Die aktuellen Gesetzesinitiativen und Regulierungspläne bedeuten die direkteste Herausforderung der Kirche und christlicher Kommunikatoren, die es jemals gab. Das Evangelium selbst und seine Verkündigung stehen inzwischen unter Dauerbeschuss."

Die wichtigsten Probleme:

1. "Hate Crime"

Nach Lesart der NRB soll erstmals in der Geschichte des Landes unerwünschtes Gedankengut statt tatsächlicher Handlungen als kriminell verfolgt und bestraft werden. Wer sich für den Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau ausspricht, könnte künftig ein Verfahren wegen Hass und Diskriminierung anderer Definitionen von Ehe riskieren. Das entsprechende Gesetz wurde am 28. Oktober 2009 als Teil eines größeren Pakets von Präsident Barack Obama verabschiedet, allerdings auf Drängen von Christen in letzter Minute mit einem Zusatz ergänzt, der religireligiöse Ansichten schützen soll. Ob das Justizministerium, Staatsanwaltschaften und Richter diesen Passus voll berücksichtigen werden, bleibe abzuwarten. Fakt ist: Rundfunkverkündiger, aber auch ganz normale Geistliche, müssen mit einer Anzeige rechnen, wenn sie Homosexualität offen Sünde nennen.

"Ein verhinderter Selbstmord... eine gerettete Ehe... das Ende einer Sucht - lebensverändernde Erfahrungen aus der täglichen Rundfunkarbeit, die unbezahlbar sind."
June Hunt, Chefin des Radio-Magazins "Hope for the Heart"

2. "Media Ownership/Localism Rules"

Um örtliche Interessen zu berücksichtigen, sollen lokale Gemeinde-Beiräte die Rundfunkanbieter "beraten" und damit gleichsam kontrollieren. Hintergrund ist, dass die staatliche Runkfunkkommission möchte, dass künftig mehr Frauen und Minderheiten Stationen und Frequenzen besitzen. Die FCC will sicher stellen, dass die aktuellen Besitzer einer Rundfunklizenz keine Monopolstellung haben und ihrer Gemeinde statt ausschliesslich kommerziellen Interessen dienen – anderenfalls soll die Lizenz nicht mehr verlängert werden. Lokale Rundfunkräte würden laut NRB bedeuten, dass auch Atheisten und Imame über christliche Programme mitentscheiden. Die christliche Talk-Show-Gastgeberin Nancy Parshall ("On the Market" auf Moody Radio): "Das ist Inhaltskontrolle durch die Hintertür, ausgedacht von Washingtoner Bürokraten. Dann könnte ein Predigtprogramm von Charles Stanley rausfliegen, damit Sendungen wie 'Triff' Deinen Stadtbibliothekar' reinkommen."

3. Employment Non-Discrimination Act (ENDA)

Christen fürchten, dass diese Gesetzgebung Kirchen, christliche Schulen und Organisationen mit 15 oder mehr Mitarbeitern zwingen würde, gegen ihren Willen Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle zu beschäftigen, weil diese sich sonst wegen Diskriminierung einen Arbeitsvertrag einklagen könnten. Das Gesetz hängt in der Warteschleife, die Rundfunk-Lobby NRB ruft zum Widerstand auf, weil ENDA die Rechte religiöser Verbände verletze.

"Christlicher Rundfunk wird gerade von der Larve zum Schmetterling. Denn die Verbreitungsmöglichkeiten des Evangeliums sind durch den Fortschritt der Technik gewachsen. Wir müssen Programme entwickeln, die junge Leute erreichen – und uns schnell genug verändern und neu erfinden."
Michael Little, Präsident und Chief Operating Officer, The Christian Broadcasting Network, Virginia Beach

4. Fairness Doctrine

Dieses Gesetz war von 1949 an 38 Jahre lang in Kraft und zwang Rundfunkmedien, bei Kontroversen allen Beteiligten gleiche Sendezeiten auf einem Sender einzuräumen. Präsident Ronald Reagan ordnete die Abschaffung an, seit dem blüht das Genre der konservativ orientierten politischen Radio-Talk Show. Präsident Obama hat angedeutet, dass er im Gegensatz zu manchen liberalen Scharfmachern keine Wiedereinführung des Gesetzes will, das eine politische Kontrolle von Medieninhalten bedeuten würde.

Obwohl der "Kulturkampf" also neu aufflammt, wird nicht nur geklagt und gejammert, Trübsal geblasen und sich in Selbstmitleid ergangen. Es gibt auch klare Botschaften an die eigene Adresse. Bob Skelton, Präsident von Love Worth Finding Ministries: "Inzwischen steht in Frage, ob wir noch eine Nation unter Gott sind. Man kann eine Ideologie nicht mit einer Kugel abschießen. Wir brauchen Buße. Es ist Zeit, dass die Evangelikalen aufwachen, bei sich selber aufräumen, aufstehen und den Mund aufmachen!" Der Dachverband ruft zu 40 Tagen Gebet auf, damit Rundfunkwellen und Kabelstränge frei bleiben, um das Evangelium zu transportieren. Bischof Harry Jackson, Hope Church Washington, D.C.: "Es wird zuviel von der falschen Doktrin einer Trennung von Staat und Kirche gegesprochen und zuwenig von der Entfremdung zwischen Kirche und Gesellschaft. Wir müssen das Gebet wieder in den Mittelpunkt rücken und die prophetische Rolle der Kirche annehmen, in die Lücke zwischen Gott und den Menschen zu gehen. Wenn wir das tun, wird Gott hören und unsere Kultur erneuern."

 

Download als PDF


Home |  Impressum |  Sitemap